Fünf Tage Ruhe – und ein Tag quer über Mallorca
Für fünf Tage ist Puig de Ros d’Alt bei Llucmajor unser Zuhause. Die restaurierte Finca aus dem 18. Jahrhundert liegt ruhig zwischen Mandel- und Olivenbäumen und fühlt sich wie ein Gegenentwurf zu den großen Ferienanlagen der Insel an. Genau diese Mischung gefällt mir: morgens und abends die Ruhe auf dem Land, dazwischen die Freiheit, Mallorca mit dem Auto zu erkunden.
Der hier beschriebene Ausflug ist kein Fünf-Tage-Programm, sondern ein einziger, gut gefüllter Urlaubstag. Er führt von der Gegend um Llucmajor zunächst zur Bodegas Bordoy, danach nach Inca und schließlich bis Cala Ratjada im Nordosten. Das sind längere Fahrstrecken. Für mich funktioniert die Route trotzdem, weil jede Station einen völlig anderen Charakter hat: Wein, Handwerk, Einkauf, Bistro und Meer. Wer es gemütlicher mag, lässt sich in Inca weniger Zeit oder fährt an einem anderen Tag nur zum Baden nach Cala Lliteras.
Der Start: wohnen im Puig de Ros d’Alt
Puig de Ros d’Alt liegt im ländlichen Teil der Gemeinde Llucmajor. Das historische Anwesen wurde behutsam restauriert; Naturstein, traditionelle Architektur und die umgebende Landschaft prägen den Aufenthalt. Nach Angaben des Hauses gehören unter anderem ein Außenpool, Gartenbereiche, Aufenthaltsräume, Fitnessbereich und Sauna zum Angebot.
Für unsere fünf Tage ist die Finca vor allem ein ruhiger Ausgangspunkt. Man ist nicht mitten im Trubel, braucht für die Ausflüge allerdings ein Auto. Vor einem langen Tag frühstücke ich in Ruhe, nehme Badesachen, Handtuch und Badeschuhe mit und starte nicht zu spät. Gerade für die letzte Station in Cala Lliteras möchte ich genügend Tageslicht und keinen engen Zeitplan mehr haben.
- Für diese Route ist ein Mietwagen praktisch notwendig
- Badesachen und Badeschuhe schon morgens ins Auto legen
- Wasser und Sonnenschutz für den Badestopp mitnehmen
- Öffnungszeiten und Weinprobe vor dem Ausflug noch einmal bestätigen
1. Weinprobe bei Bodegas Bordoy
Unsere erste richtige Station ist Bodegas Bordoy im Süden Mallorcas. Ein Besuch auf einem Weingut passt für mich besonders gut zu einem Aufenthalt rund um Llucmajor, weil man hier nicht nur eine Flasche probiert, sondern etwas über die Landschaft und die einheimischen Rebsorten erfährt. Einen Besichtigungstermin würde ich vorab direkt mit der Bodega vereinbaren; Angebote und Zeiten können saisonal wechseln.
Mein persönlicher Favorit ist der FERMANÇA Blanco Giró Ros. Für mich ist das ein wunderbarer Weißwein mit wenig Säure – angenehm zu trinken und eigenständig genug, um im Gedächtnis zu bleiben. Die Bodega beschreibt ihn als reinsortigen Wein aus Giró Ros, einer autochthonen mallorquinischen Rebsorte. Er trägt die Herkunftsbezeichnung D.O. Pla i Llevant; pro Jahrgang entstehen laut Weingut nur ungefähr 1.000 Flaschen.
Gerade diese kleine Produktionsmenge macht den Wein für mich zu einer Entdeckung und nicht zu einem beliebigen Urlaubsmitbringsel. Meine Wahrnehmung der milden Säure ist dabei ausdrücklich ein persönlicher Geschmackseindruck. Wer säureempfindlich ist, sollte selbst probieren und sich bei der Verkostung beraten lassen. Nach der Weinprobe bleibt der Fahrer selbstverständlich alkoholfrei; alternativ gehört eine sichere Fahrregelung schon vor dem Termin zum Tagesplan.
2. Inca: erst Lottusse, dann Camper
Von der Bodega geht es weiter nach Inca, Mallorcas traditionsreicher Leder- und Schuhstadt. Für mich sind zwei Adressen gesetzt: das Lottusse Outlet und Recamper von Camper. Ich habe bei meinen Besuchen in Inca bislang immer etwas gefunden. Bei meinem letzten Einkauf waren es Wildlederloafer – genau die Art von Fund, wegen der ich gern wiederkomme.
Lottusse steht seit 1877 für mallorquinisches Schuhhandwerk. Das Outlet liegt laut Tourismusportal von Inca an der Avinguda Rei Jaume II 102. Recamper befindet sich offiziell in der Carrer Quarter 91. Da beide Geschäfte nicht wie klassische Sehenswürdigkeiten im historischen Zentrum funktionieren, speichere ich die Adressen vorher im Navigationssystem und kontrolliere am Ausflugstag die aktuellen Öffnungszeiten.
Beim Outletkauf entscheide ich nicht nur nach dem reduzierten Preis. Leder, Verarbeitung, Passform und der tatsächliche Bedarf sind wichtiger. Gerade Loafer müssen an Ferse und Spann vernünftig sitzen. Ich probiere deshalb beide Schuhe an und laufe einige Minuten damit, statt mich von Marke oder Rabatt treiben zu lassen. Das Sortiment wechselt – genau das macht den Besuch spannend, bedeutet aber auch, dass ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Größe nicht garantiert ist.
- Gewünschte Größen nicht voraussetzen: Outlet-Bestände wechseln
- Beide Schuhe anprobieren und die Passform im Gehen prüfen
- Kassenbon und mögliche Umtauschregeln aufbewahren
- Für Lottusse und Camper zusammen ausreichend Zeit einplanen
3. Weiterfahrt nach Cala Ratjada
Nach dem Einkauf beginnt der längste Straßenabschnitt des Tages. Von Inca fahren wir quer über die Insel in Richtung Cala Ratjada. Die Landschaft verändert sich, und spätestens im Nordosten fühlt sich der Tag wieder vollkommen anders an. Ich plane für die Strecke bewusst einen Puffer ein und lasse mich nicht auf eine minutengenaue Ankunft festlegen.
Cala Ratjada ist lebhafter als unser ruhiger Ausgangspunkt bei Llucmajor. Unser Ziel ist aber nicht zuerst die große Promenade, sondern die kleinere Cala Lliteras am nördlichen Rand des Ortes. Dort liegen eine Tauchschule und direkt am Wasser das Sa Cova. Diese Kombination aus kurzer Pause, etwas zu essen und anschließendem Schnorcheln ist für mich der schönste Abschluss der Route.
4. Kleine Gerichte im Sa Cova
Das Sa Cova hat für mich eher Bistro- als klassischen Restaurantcharakter. Die Lage unmittelbar an der felsigen Bucht ist der eigentliche Luxus: Man sitzt nah am Wasser, schaut auf die Cala Lliteras und muss für den späteren Badestopp nicht noch einmal umparken oder weit laufen.
Auf der Karte gibt es unterschiedliche kleine Gerichte, sodass wir nicht zwingend ein schweres Menü bestellen müssen. Nach Weinprobe, Autofahrt und Einkauf passt mir genau das besser. Ich wähle lieber mehrere Kleinigkeiten, trinke ausreichend Wasser und lasse mir Zeit, bevor es ins Meer geht. Öffnungszeiten, Küchenzeiten und Reservierungsmöglichkeiten ändern sich saisonal; deshalb prüfe ich sie kurz vor dem Besuch direkt beim Lokal.
5. Schnorcheln in der Cala Lliteras
Die kleine Bucht ist kein klassischer Sandstrand. Ins Wasser gelangt man über eine Treppe am Kai. Der Boden ist steinig, und genau das sorgt bei ruhiger See häufig für sehr klares Wasser. Badeschuhe machen den Einstieg angenehmer; Maske und Schnorchel lohnen sich hier unbedingt.
Ich schwimme gern bis zu dem Felsen in der Mitte der Bucht. Dort kann man mit Blick zurück auf die Cala oder hinaus aufs offene Meer eine Weile verweilen. Dieses kurze Innehalten ist für mich der Moment, an dem aus dem langen Ausflugstag ein echtes Urlaubserlebnis wird: hinter uns Wein und Schuhe, vor uns nur Wasser und Horizont.
Die Strecke sollte niemand unterschätzen. Felsen können scharf und rutschig sein, Boote und Taucher müssen beachtet werden, und bei Wind oder unruhiger See sieht die Situation anders aus als an einem stillen Sommertag. Ich gehe nur ins Wasser, wenn Bedingungen und eigene Kondition passen, bleibe möglichst nicht allein und halte Abstand zu Bootswegen sowie zu den Ein- und Ausstiegsbereichen der Tauchschule.
- Badeschuhe für Treppe und steinigen Untergrund verwenden
- Schnorchelboje oder gut sichtbare Begleitung erwägen
- Wind, Wellengang und Bootsverkehr vor dem Einstieg beobachten
- Nicht auf unbekannte Felsen springen und Kräfte für den Rückweg einteilen
Mein realistischer Ablauf für diesen einen Tag
Die Route lebt von ihren Gegensätzen, braucht aber Zeit. Ich würde nicht versuchen, zusätzlich noch Palma, die Altstadt von Inca oder mehrere Strände einzubauen. Die folgenden Zeiten sind nur eine Orientierung; verbindlich sind immer die aktuell bestätigten Öffnungs- und Reservierungszeiten.
- Vormittag: ruhiger Start im Puig de Ros d’Alt und Fahrt zur Bodegas Bordoy
- Später Vormittag: vereinbarte Besichtigung und Weinprobe
- Mittagszeit: Fahrt nach Inca und Besuch bei Lottusse und Recamper
- Nachmittag: Weiterfahrt nach Cala Ratjada und kleine Gerichte im Sa Cova
- Später Nachmittag oder früher Abend: Schnorcheln in der Cala Lliteras und entspannte Rückfahrt
Fazit: Genau diese Mischung macht Mallorca aus
Dieser Tag ist keine klassische Sehenswürdigkeitenliste. Er verbindet Orte, die ich persönlich gern besuche: eine ruhige Finca als Ausgangspunkt, einen besonderen mallorquinischen Weißwein, gute Schuhe und eine kleine felsige Bucht mit klarem Wasser.
Natürlich könnte man jede Station länger auskosten. In dieser Reihenfolge entsteht für mich jedoch eine sehr persönliche Mallorca-Route – genussvoll, ein wenig einkaufsfreudig und am Ende herrlich unkompliziert im Meer. Der FERMANÇA Blanco Giró Ros, meine Wildlederloafer und der Blick vom Felsen in der Cala Lliteras sind die Erinnerungen, die von diesem Tag bleiben.
Quellen und weiterführende Informationen
- Puig de Ros d’Alt: offizieller Internetauftritt ↗
- Bodegas Bordoy: FERMANÇA Blanco Giró Ros ↗
- Inca Turística: Lottusse Outlet ↗
- Camper: Recamper Inca ↗
- Sa Cova Cala Lliteras: offizieller Instagram-Auftritt ↗
- Bildnachweis Cala Ratjada: dronepicr, CC BY 2.0 ↗
- Bildnachweis Cala Lliteras: Isiwal, CC BY-SA 3.0 ↗
- Symbolbild Weinprobe: Sarah Stierch, CC BY 4.0 ↗
- Symbolbild Lederschuhe: Hendrik Wieduwilt, CC BY 2.0 ↗
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